Company History

Dieter Dierks (Hans-Dieter Dierks; geboren am 9. Februar 1943 in Stommeln als Sohn einer jüdischen Mutter und eines katholischen Vaters) ist ein deutscher Musiker, Tonmeister, Produzent, Verleger, Studiobetreiber und Innovator. Er wurde weltbekannt als Produzent der Scorpions, deren Alben zwischen 1975 und 1988 alle unter seiner Federführung entstanden. Zu dieser Zeit hatte Dierks bereits die Hamburger Band Atlantis erfolgreich in den USA etabliert. Von

1969 bis 1975 waren die nach ihm benannten Studios künstlerische Heimat nahezu aller Vertreter der so genannten Krautrock-Ära. Ab 1975 nutzten auch internationale Interpreten vermehrt die stets mit »State of the Art«-Technologie ausgestatteten Ton- und TV-Studios und brachten Stommeln so auf die Landkarte der Rock- und Popwelt.
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Privatleben

Dieter Dierks war zweimal verheiratet und hat vier Kinder von vier Frauen. Seine zweite Ehefrau, Corina Fortmann, ist die Schwester des Schweizer Komponisten Thomas Fortmann und hat viele Jahre maßgeblich am Aufbau des »Dierks-Imperiums« mit gewirkt. Die gemeinsame Tochter Dominique Schilling lebt und arbeitet in Los Angeles als Regisseurin und Drehbuchautorin. Dierks‘ ältester Sohn, Michael Dierks, ist Schauspieler und bekannt aus zahlreichen Film- und TV-Serien (TV Kaiser, Schöne Witwen küssen besser, Hausmeister Krause etc.). Die älteste Tochter aus erster Ehe, Michaela Dierks, ist TV- und Musik-Promoterin in Köln. Sein jüngster Sohn, Julien Freundt, arbeitet als Mixing Engineer, Komponist, Musikproduzent und ist Assistent der Geschäftsleitung in der väterlichen Firma. Dierks‘ Mutter Ursula, die die Atmosphäre der Dierks Studios durch ihre Herzlichkeit maßgeblich mitgeprägt hatte, ist 1991 verstorben.

Anfänge

»Ursprünglich wollte ich Regisseur werden«, erinnert sich Dierks. Folgerichtig studierte er Schauspiel und Regie und arbeitete als Regieassistent für so hochkarätige Regisseure wie Kurt Wilhelm, Karl Fruchtmann, Jürgen Goslar und den ehemaligen Burgtheater-Intendant Gerhard Klingenberg. Parallel dazu spielte er Gitarre und Bass in verschiedenen Rockbands und begann mit dem Aufbau eines eigenen Studios hinter dem Haus seiner Eltern in Stommeln, Hauptstraße 33, etwa 24 Kilometer von Köln entfernt.

Vom Vater – Dirigent, Violinist, Saxophonist und Komponist – hatte er das musikalische Talent, von der Mutter, die ein Lebensmittelgeschäft betrieb, den Sinn fürs Geschäftliche geerbt. Im engen Dachgeschoß des Elternhauses entstanden die ersten Studioräume. Mit zwei umgebauten Revox-Amateur-Aufnahmemaschinen gelang es Dieter Dierks innerhalb kürzester Zeit, viele junge kreative Musiker an sich zu binden.

Etwa zu dieser Zeit gründete Dierks zusammen mit Tommy Engel, seinerzeit Schlagzeuger der Kölner Kultband Tony Hendrik Five, sowie Frieder Viehmann die Formation Hush (Stille), die 1969 die Single »Oh Darling / Schau mir in die Augen« (Bellaphon #1112) herausbrachte und sich live durch enorme Lautstärke auszeichnete.

Zwei Jahre später errichtete der umtriebige Dierks ein großräumiges Studiogebäude im Hof des elterlichen Anwesens. Wenig später wurde das angrenzende kleine Wohnhaus zum Studio-Hotel ausgebaut und vervollständigte ein neues Rundum-Konzept für die komplette Einheit von Musikaufnahmen, Leben und Wohnen der Musiker – ein Konzept, das bis dahin in Deutschland einmalig war.

Und der Newcomer hatte nicht nur das Können, sondern auch das nötige Glück: Aus einer Partystimmung heraus entstand 1969 ein Diskothekenhit, der noch heute in Deutschland und im Ausland gesungen werden sollte: »Loop di Love«, mit dem damals unbekannten Sänger Jay Bastos. Die 1971 veröffentlichte Single ging in Holland, England und anderen Ländern direkt auf Nummer eins und verkaufte mehrere Millionen Exemplare.

Krautrock & Elektronika

Anfang der Siebziger Jahre wurde das Studio 1 zum Wallfahrtsort für eine damals neue Generation von Musikern und die aufkommende Hippie-Kultur. Die Mischung ›ländliche Atmosphäre und hochmoderne Studiotechnik‹ lockte ganze Heerscharen aufstrebender junger Talente ins damals völlig unbekannte Stommeln. Der Name des Dorfes bei Köln tauchte immer häufiger in deutschen Musikmagazinen (Musikexpress/Sounds / Fachblatt Musikmagazin / Pop-Rocky) auf. Ganze Seiten widmeten die Redakteure der »Soundschmiede in Stommeln«, diesen neuen kreativen Musikgruppen und den dort entstandenen Produktionen.

Die Dierks-Studios wurden – neben denen von Conny Planck – die Heimat der wichtigsten Krautrock-Vertreter, Gründerzeit-Rockbands und Elektronik-Pioniere. Ob Ihre Kinder, Ash Ra Tempel, Tangerine Dream, Witthüser & Westrupp, Hoelderlin, Wallenstein, ob Birth Control, Guru Guru, Embryo, Popol Vuh, Bröselmaschine, die Polit-Rockgruppen Amon Düül und Floh de Cologne oder die von dem Musikvisionär Rolf-Ulrich Kaiser gegründete Krautrock-Supergroup Cosmic Jokers – alle pilgerten nach Stommeln, um – bekocht von Mutter Dierks – ihre Version von Rockmusik produzieren bzw. aufnehmen zu lassen.

Ein Dauerkunde war auch Klaus Doldinger, der mit seiner Jazz-Rock-Formation Passport die Alben Looking Thru (1973), Handmade (1973), Cross-Collateral (1975), Infinity Machine (1976) in Stommeln einspielte. Das live in der Düsseldorfer Rheinhalle mitgeschnittene Konzert Jubilee 1974 wurde in den Dierks-Studios abgemischt.

In jenen Jahren entstanden über 40 richtungsweisende LPs, die den Ruf einer eigenständigen deutschen Rock-und Elektronikmusik im Ausland begründeten; viele davon erschienen auf den ersten deutschen Plattenlabeln Pilz, Ohr und Bacillus. Auf all diesen Platten, die zum ersten Mal auch in Amerika, Frankreich, Italien und vor allem in England, dem Mutterland des Rock, veröffentlicht wurden, fand man in den Liner Notes stets den Namen der Dierks-Studios und ihres »Soundmagiers und Klangzauberers« Dieter Dierks, sowie – nicht zu vergessen – Dank und Lob für das kreative Umfeld mit der Studioküche von »Mother Dierks«, die noch um zwei Uhr nachts die Musiker versorgte und auf fast jedem Album ein ›Special thanks‹ erhielt.

Hinzu kam, dass Dieter Dierks seine Studios stets auf den neuesten technischen Stand brachte und sie so zu den führenden deutschen Produktionsstätten machte. Eigene selbstentwickelte Hall-und Raumeffekte sowie experimentelle Instrumente wie das Mellotron, das natürliche, auf Band aufgenommene Orchesterstimmen per Tastendruck wiedergeben konnte, vervollständigten das ständig auf Perfektion bedachte »State Of The Art«-Umfeld.

Think local, act global

Um 1972 wurden die Räumlichkeiten weiter ausgebaut. Um kostengünstigere Vorproduktionen durchführen zu können, wurden im Kellerbereich des Studiohotels drei kleinere Aufnahmeräume und ein Regieraum als Studio 2 eingerichtet. Ende 1973 errichtete man vor dem Studio 1 einen großen Aufenthaltsraum, der »Kantine« genannt wurde und als Besprechungs- und Meetingraum diente. So drang der Ruf der Dierks-Studios als erstklassiger Aufnahme-Betrieb auch ins Ausland. Für den kleinen Ort war das Unternehmen längst zu einem wichtigen Wirtschaftsfaktor geworden. Musikgruppen wohnten oft Monate lang in Stommeln, kauften dort ein und bevölkerten abends die hiesigen Gaststätten. Journalisten reisten an, um Fotos und Interviews zu machen.

Die erste internationale Band kam aus England und hieß Nektar. Das Quintett nahm zwischen Juni und August 1971 seine Debüt-LP Journey To The Centre Of The Eye in Stommeln auf. Es folgten die LPs A Tab In The Ocean (Oktober 1972), der Studio-Livemitschnitt …Sounds Like This (Februar 1973) und Remember The Future; letztgenannte LP erreichte im Juli 1974 Rang 19 in den US-Album-Charts und war die bis dahin erfolgreichste Produktion aus dem Hause Dierks. Im Dezember 1974 kehrten Nektar ein letztes Mal für die Produktion von Down To Earth nach Stommeln zurück. Die LP notierte auf Platz 32 der US-Charts und erhielt im Februar 1975 einen Gold-Überzug.

Wie eingangs erwähnt, schrieb Dierks Ende der Sechziger Jahre zusammen mit dem damaligen Bellaphon-Auftragsproduzenten Michael Schepior den Partyhit »Loop di Love«, der auf den griechischen Fischer-Song »Darla Dirladada« zurückgeht und von Dierks größtenteils selbst eingespielt wurde.

1974 wurde das Portfolio der Firma durch das erste Audio-Recording-Mobile erweitert. Das Studio auf Rädern war zu jener Zeit einmalig in Deutschland und folgerichtig wurden Top-Namen der internationalen Konzert-Szene, u.a. Al Jarreau, Fats Domino, Oscar Peterson, Harry Belafonte, Michael Chapman, Ella Fitzgerald, The Platters, Brian Auger, Lou Reed, Nana Mouskouri, Santana oder Chicago live mitgeschnitten. Aufgrund seiner Erfahrung mit solchen Top-Künstlern, deren Managern und internationalen Plattenfirmen kam Dieter Dierks zu dem Entschluss, die Firma um eine eigene Produktions- und Verlagsgesellschaft zu erweitern. Das war die Geburtsstunde von Breeze Music. Dierks gelang es, die führende deutsche Rockformation Atlantis mit ihrer attraktiven bluesigen Sängerin Inga Rumpf unter Vertrag zu nehmen und auf internationalem Niveau zu produzieren. Er flog nach Amerika und überzeugte die damalige Plattenfirma Polygram davon, Atlantis auf Tour zu schicken. Zusammen mit dem US-Manager Ira Blacker organisierte er eine US-Tournee, und das erste Konzert fand in Philadelphia im Vorprogramm von Lynyrd Skynyrd vor 20.000 Fans statt. Dieses Netzwerk sollte ihm ein paar Jahre später im Zusammenhang mit den Scorpions sehr von Nutzen sein.
Der Name der Dierks Studios war inzwischen auch international gesetzt und immer häufiger konnte man Weltstars in Stommeln begegnen. Ike & Tina Turner, Eric Burdon, War, die Boomtown Rats mit Starproduzent Robert Mutt Lange oder auch die irische Rock- und Blues-Legende Rory Gallagher kamen – und das oft mehrmals. Gallagher für zwei aufeinanderfolgende Alben. Er schlief tagsüber, arbeitete nachts und gründete in einer Kneipe  den »Kamikaze-Dart-Club«. Jon Lord, der legendäre Deep Purple-Keyboarder, produzierte seine erste Solo-LP Sarabande in den Dierks Studios. Die Liste der internationalen bzw. international erfolgreichen Bands ließe sich beliebig fortsetzen: Plasmatics, Accept, Twisted Sister, Warning… Einen ganz besonderen Gast beherbergten die Dierks Studios 1996: Michael Jackson. Der King Of Pop produzierte in den Dierks Studios 3 den Song »Ghosts«, der erstmals auf der im Mai 1997 veröffentlichten LP Blood On The Dance Floor – HIStory in the Mix und später auch als Teil einer Deluxe Collector Box Set – Limited Edition erschien. »Ghosts« war auch der titelgebende Song des Horrorfilms, der am 8. Mai 1997 im Rahmen der Filmfestspiele in Cannes vorgestellt wurde. In dem Studio – auf dem Cover fälschlicherweise als »Diederdierk Studio (Cologne, Germany)« gelistet – wurden Gesangsaufnahmen und Drum-Programming vorgenommen. Und noch etwas erwuchs aus dieser Zusammenarbeit. Jackson, der im Rahmen seiner weltumspannenden HIStory-Tour in München und Köln auftrat, ließ das Konzert von Dierks mit 12 Kameras mitschneiden. Und nicht nur das: Er erlaubte zusätzlich zu der digitalen Videoaufzeichnung auch einen Parallelmitschnitt mit Dieter Dierks’ erstem HD-Übertragungswagen, bestückt mit sechs HD-Kameras. Damals eine technische Sensation.

Scorpions von 1973 bis 1988

Bereits 1973 stieß Dieter Dierks zusammen mit seiner Frau Corina Dierks-Fortmann bei einem Konzert in einer Turnhalle in Essen auf die noch völlig unbekannte Nachwuchs-Rockband Scorpions. Trotz der wenigen Zuschauer überzeugte ihn die professionelle Einstellung der Musiker, die er nach einer Schnupperphase als Auftrags-Produzent für die RCA ab 1976 ganz für die Firma Breeze Music unter Vertrag nehmen konnte. Bereits mit der ersten von ihm produzierten Platte In Trance verdreifachte sich der Plattenumsatz und durch permanente Auslandsarbeit und eine erfolgreiche, von Breeze Music finanzierte Japan-Tournee, die auf den Tokyo Tapes ihren Niederschlag fand, gelang es 1979 einen Schallplattenvertrag mit dem amerikanischen Konzern Mercury (Polygram) abzuschließen und die Schallplatten der Scorpions in allen Ländern der Welt erfolgreich auf den Markt zu bringen.

Nachdem der RCA-Vertrag in USA ausgelaufen war, musste Dierks für die Scorpions eine neue Schallplattenfirma finden. Mit den Worten: »Dieter, you can’t sell Coca Cola to America« handelte er sich anfangs eine Absage nach der anderen ein. Die letzte Chance war Mercury Records in Chicago. Und dort traf Dierks auf einen Gesinnungsgenossen. Bob Sherwood, der damalige Präsident, war ein Rockfan und von den Produktionen des Deutschen begeistert. Der Allrounder Dierks, seinerzeit gerne als »sechster Scorpion« apostrophiert, konnte mit David Krebs ein Schwergewicht der Musikszene als Personal Manager für seine Schützlinge gewinnen. Mit Unterstützung vom Leber-Krebs Management, das ausschließlich große Acts wie AC/DC, Aerosmith oder Ted Nugent betreute, stand die Tür für ein Bühnendebüt der Scorpions in den USA weit offen. Während Dieter Dierks weiter um die ganze Welt flog, um seine Bands zu betreuen und Verträge abzuschließen, kümmerte sich seine Frau um den Ausbau des Breeze Music-Verlages.

Die erste Mercury-LP Lovedrive – mit dem plakativen, bis heute kontrovers diskutierten Kaugummi-Brust-Cover – erreichte in Amerika zum ersten Mal Gold-Status (über 500.000 Einheiten) und kam damals weltweit auf 1,5 Millionen verkaufte Exemplare. In Deutschland konnte ein langfristiger Vertrag mit EMI-Electrola, der auch Länder wie Südostasien einschloss, abgeschlossen werden. Dies schuf die Voraussetzungen dafür, die Hannoveraner Rockband auf internationalem Niveau produzieren zu können. Für Blackout setzte sich die Scorpions-Entourage nach Südfrankreich in Bewegung. Man wollte mal Abwechslung vom Studio-Alltag. Ort des Geschehens: Eine großzügige Villa mit eigener Köchin, Outdoor-Pool und Tennisplatz. Das eigene Recording Mobile stand aufnahmebereit vor dem Anwesen. Doch der Ausflug in südliche Gefilde endete jäh, als Sänger Klaus Meine heiser wurde. Die Diagnose des HNO-Spezialisten: Polypen, Knötchen an den Stimmbändern. Außer Spesen nichts gewesen. Zuhause wurde Blackout – mit einem wieder stimmstarken Meine – im Studio 2 eingespielt. Die Alben Blackout und Animal Magnetism zementierten den Ruf der Scorpions als führende, melodiösem Hardrock verpflichtete Band. Dieter Dierks hatte nicht nur in diffiziler Detailarbeit einen eigenen Sound geprägt, sondern die spielfreudigen Scorpions als eigenständige Marke im Kreis der bedeutenden Hardrock-Formationen etabliert.

Das 1984er Album Love At First Sting und der daraus ausgekoppelte Balladen-Hit »Still Loving You« markierten den vorläufigen Karriere-Höhepunkt für die ›Scorps‹: 2,5 Millionen verkaufte Einheiten (Doppelplatin) in USA; Gold- und Platin-Status in fast allen europäischen Ländern, dazu auch in Japan und Südostasien, wo die Gruppe zur populärsten Rockgruppe überhaupt avancierte. »Still Loving You« ist in Frankreich bis heute die mit über zwei Millionen Einheiten meistverkaufte Single aller Zeiten. Dabei stand die Produktion dieses Albums anfangs unter keinem guten Stern: Im Frühjahr 1983 hatte Dieter Dierks die renommierten Polar Studios von ABBA gebucht. Kurz vor Aufnahmestart wurden Herman Rarebell und Francis Buchholz krank. Herman besorgte Jimmy Bain (b) als Ersatz, Rudolf brachte Bobby Rondonelli (dr) ins Spiel. Doch das Ergebnis überzeugte nicht. Ihm fehlte der Scorpions typische Groove und Charme. Konsequenz: Die gesamte LP wurde in Originalbesetzung nochmals komplett in den Dierks-Studios aufgenommen und gemischt. Der Aufwand zahlte sich aus, denn auf diesem Album befinden sich die meisten Hits, und es wurde die bis dahin bestverkaufte Scorpions-LP. Die 1985 veröffentlichte Live-Platte Worldwide Live versammelte die Highlights aus Konzerten einer Welt-Tournee.

Man kann die acht Scorpions-LPs der Dierks-Zeit mit Fug und Recht als Kernstück des Band-Oeuvres bezeichnen. Auch für Dierks waren diese Alben die erfolgreichsten seiner Produzenten-Karriere. Die Arbeit am letzten in Stommeln entstandenen Scorpions-Album Savage Amusement war von Konflikten zwischen Band und Produzent geprägt, so dass man den Produktionsvertrag auslaufen ließ und die Zusammenarbeit in beiderseitigem Einvernehmen im November 1988 beendete.

Es bleibt das Verdienst von Dieter Dierks, aus unbekannten Newcomern eine weltbekannte Marke geformt zu haben. Bei ihrem Weggang waren die Scorpions eine musikalische Institution.

Der Ausbau der Firmengruppe: Mobile 2, Accept und mehr

Aufgrund des Erfolges mit den Scorpions konnte die Firma Breeze Music langfristige Verträge mit amerikanischen und europäischen Schallplatten- und Verlagskonzernen abschließen. Der Ausbau der Firmengruppe konnte weitergehen.
1985 entstand der bisher größte Studiokomplex: das Studio 3. Das entstandene Studio bot durch die weite Aufnahmehalle nicht nur vielköpfigen Orchestern, Chören oder Big Bands den entsprechenden Aufnahmeraum, sondern wurde von vornherein auch für Bild-und Video-Aufnahmen angelegt, insbesondere durch den Einbau von fahrbaren Kamera-und Lichtbrücken und einer leistungsfähigen Klimaanlage. Studio 3 entsprach dem Standard der Großstudios in Amerika. Durch die unterirdische Verbindung aller Räumlichkeiten war zudem eine wechselseitige Nutzung der gesamten Technik in allen drei Studios möglich. Gleichzeitig wurde die zwischen der eigenen Studioküche und dem Studio 1 gelegene Kantine erheblich erweitert.

1986 wurde das Mobile 1 der Dierks-Studios, das in ganz Europa zahlreiche Konzerte namhafter Künstler aufgezeichnet und sich insbesondere bei vielen Live-Übertragungen der WDR-Kult-Sendungen »Rock-Palast« und »Rocknächte« bewährt hatte, durch einen fast doppelt so großen, mit modernster Studiotechnik ausgerüsteten Aufnahmewagen, das Mobile 2, ersetzt. Dieses fahrbare Studio hatte ein Computermischpult, ein ausgezeichnetes Abhörsystem und einen geräumigen Aufenthaltsbereich und war analog bzw. digital bestückt. 1991 wurde mit diesem mobilen Studio eine Live-LP der Rolling Stones in Moskau und anderen europäischen Städten aufgenommen.

Inzwischen traten auch große US-Schallplattenkonzerne an Dieter Dierks heran, um ihre Künstler von ihm produzieren zu lassen. Dazu zählen die Glam-Metal-Band Black’n Blue für Geffen Records, die Heavy-Metal-Formation Twisted Sister, die Dierks in New York und Los Angeles für Atlantic Records produzierte, und die New Yorker Punk-Avantgarde-Band Plasmatics mit der schrillen Blickfang-Sängerin Wendy Williams für Capitol Records. Auch die ›schwarz-weiße‹ US-Band Mother’s Finest erarbeitete mit Dieter Dierks ein Live-Album, das mit dem Audio- und Video-Mobile aufgenommen und in Studio 3 gemixt wurde. Immer häufiger kamen internationale Erfolgskünstler nach Stommeln.

Für solche mehrmonatigen Aufenthalte ausländischer Top-Künstler war das Studio-Hotel zu klein geworden. Deswegen erwarb Dierks 1986 in der Bruchstraße, ca. zwei Kilometer vom Studio entfernt, eine für solche Aufenthalte geeignete Villa mit Gartengelände. Hier konnten die Musiker ungestört und »wie zuhause« wohnen und in Ruhe längere Aufnahmezeiten kreativ überbrücken. Zusätzlich konnte die Villa auch an auswärtige Studio- und Hotelgäste vermietet werden und hat über die Jahre sehr viele Prominente beherbergt, u. a. Frank DiLeo, den späteren Manager von Michael Jackson.

1987, nach dem Ausbau von Studio 3, entschloss sich Dierks, die Basis der Firma langfristig durch eine Erweiterung auf den immer stärker aufkommenden Bildbereich zu sichern. Waren bisher bereits Bildaufnahmen im Studio 3 möglich, so sollte der Videobereich nunmehr durch ein Video-Recording-Mobile verstärkt werden. Mit Hilfe fachkundiger Spezialisten wurde ein Übertragungswagen des Westdeutschen Rundfunks gekauft, mit neuester Übertragungstechnik bestückt und zu einem Groß-Mobile umgebaut. Das Video-Mobile 1 der Dierks-Studios war 1988 einsatzbereit.

1991 wurden Studio 1 und auch Studio 2 komplett renoviert und technisch auf den neuesten Stand gebracht. Dadurch wurde eine gleichrangige Produktionsarbeit zeitgleich in Studio 3 und Studio 1 möglich. 1992 fand sich die vorübergehend aufgelöste Gruppe Accept wieder zusammen und produzierte drei weitere LPs für Breeze Music.

Zu Beginn des Jahres 1995 kamen im Produktionsbereich viele Neuerungen auf die Firmengruppe zu. Das Interesse an internationaler Rockmusik flaute mehr und mehr ab. Es entstand der zwischenzeitlich dominierende Techno-und Dance-Musikstil, der nicht mehr in großen Studios, sondern mit Computern und elektronischen Geräten in kleinen ›Wohnzimmern‹ produziert werden konnte. Die Firmengruppe trug dieser Entwicklung Rechnung, indem ab 1995 zusätzlich zwei digitale sogenannte Hard Disk-Recording Studios eingerichtet wurden, die Studios 4 und 5. Hier wurde auf dem Stand der neuesten Computer-Technik eine ideale Arbeitsstation für Dance/House- und Techno-Musik geschaffen.

Speziell für dieses Musiksegment wurde die Breeze Dance Division gegründet, die mit ihren Unterlabeln Bionic Beat, Reformhouse und Neuform alle Richtungen auf dem Dance-Gebiet abdeckte. 1996 und 1997 wurde die Recording-Flotte durch zwei digitale Video-Mobiles verstärkt. Dies waren zwei 18 bzw. 21 Meter lange, von Sattelschleppern gezogene und sogar in der Breite ausfahrbare und mit allen modernsten digitalen Einrichtungen versehene, Aufnahmewagen, die jeweils mit eigener Bildregie und Mixer und mit bis zu 12 Kameras ausgerüstet, große Events und Shows aufnehmen konnten. So wurden z.B. die beiden Michael-Jackson-Konzerte im Olympiastadion in München mitgeschnitten. In der Folgezeit nutzte man diese Video-Mobiles zur Aufzeichnung der DOME-Veranstaltungen für RTL II, der Bravo Supershow, der Sabine-Christiansen-Talkshow oder der Österreich-Reise von Papst Johannes Paul II. im Juni 1998.

Ergänzend zu den digitalen Video-Mobiles gelang Dieter Dierks 1997 ein weiterer Schritt in puncto Modernisierung der Bildtechnik mit dem Erwerb mehrerer Aufnahmewagen mit HDTV-Technik. Diese Technik – kurz HD (= High Definition) genannt – erzeugt mit speziellen Kameras ein extrem hoch auflösendes Bild. Das wirkte sich besonders vorteilhaft bei technik-affinen amerikanischen und japanischen Kunden aus, die zahlreiche Klassik-Aufnahmen bestellten oder auch bei den Aufnahmen der Wagner-Festspiele in Bayreuth, die von der Kirch-Gruppe in Auftrag gegeben wurden.

1997 wurden das bisherige Technik-Labor und die Vorräume von Studio 3 zu einem umfassenden neuen Bildschneide-Studio (Avid-Raum) umgerüstet, um die zahlreich anfallenden Schnitt- und –Mixaufträge bewältigen zu können. Durch den eigenen Avid-Schnittplatz konnten Bildaufnahmen in eigener Regie innerhalb der Dierks-Studios per Computer geschnitten, gemixt und mit Tricks bearbeitet werden.

Im selben Jahr gründete Dieter Dierks die Firma Breeze TV GmbH, die mit dem sogenannten P.O.S. (Point of Sale)-TV Warenverkäufe mittels Werbung über Fernsehmonitore direkt in den Verkaufsgeschäften des Einzelhandels initiierte. In Zusammenarbeit mit dem renommierten Wirtschaftswissenschaftler Professor Dr. Hagen Backhaus gelang es Dierks, einen langfristigen Vertrag mit den Schlecker-Märkten abzuschließen, die seinerzeit über 8.000 Filialen in Deutschland betrieben. Hierbei wurden in jeder Filiale Werbespots für Warenprodukte über drei Fernsehmonitore ganztägig in sich wiederholenden Schleifen gesendet, so dass die Werbebotschaften täglich allein in Deutschland über zwei Millionen Käufer erreichten. Für die Dierks-Firmengruppe schloss sich durch Breeze TV die Wertschöpfungskette und der Dienstleistungskreis zwischen Herstellung von Ton-/Bildträgern und dem Verkauf derselben mittels moderner Verkaufsstrategien.

Auf Basis eines kontinuierlichen Wachstums, ständiger Diversifikation und einer immer stärkeren Vernetzung der einzelnen Firmenteile bestand die Dierks-Gruppe 2001 aus

• der Breeze TV GmbH, die als größtes Unternehmen der Gruppe über 50 Mitarbeitern beschäftigte und die Bereiche POS-TV, Direkt Marketing, E-Commerce und Internet-Verkauf abdeckte,
• dem Videowagen-Bereich mit den Video Mobiles 1-4, dem ›Film like‹- und ›Slomo‹-Van,
• dem Recording-Bereich mit damals sieben Studios, wobei Studio 3 seinerzeit für Super Audio (SACD)-Mixe im 5-Kanal Dolby Surround Sound umgerüstet wurde,
• der Breeze Dance Division, die weitere Chart-Platzierungen und den Ausbau ihres bisherigen Künstlerstammes betrieb,
• aus der Produktions- und Verlagsgesellschaft Breeze Music und
• aus der Plattenfirma Venus Records, die durch kontinuierliche Repertoire-Verwertungen und neue Koppelungen bei Major Record Companies in Deutschland ihre Stellung weiter ausbauen konnte.

Die Jahre von 2001 bis 2005 war ausgefüllt mit zahlreichen Auslandsreisen und Verhandlungen zur Etablierung des DVDplus-Bild-Tonträgers (siehe unten).

Das DVDplus-Patent

Dieter Dierks war nicht nur in kreativer, sondern auch in technischer Hinsicht stets vorneweg. Dem Spiegel zufolge gehörte das Dierks Tonstudio bereits 1974 zu den 40 namhaftesten deutschen Tonstudios. Egal, ob Quadrophonie, digitale Aufnahmetechnik, ›Mobile Recording‹- oder HDTV-Verfahren – Dierks leistete meist Pionierarbeit.

So auch im Jahre 1999, als er mit der Erfindung des Patents der DVDplus (Warenzeichen DVD[plus]) eine weitere Ausweitung der Firmentätigkeit durch die Lizenzauswertungen des Patents herbeiführen konnte. Bei dem Patent der DVD[plus] handelt es sich um die Verbindung einer DVD mit einer herkömmlichen CD mittels Verklebung zu einem beidseitig abspielbaren Ton-Bildträger. Während die DVD (goldene Seite) zum Beispiel einen Film oder ein Live-Konzert wiedergibt, kann auf der anderen, silbernen Seite zudem noch ein Soundtrack, die Score-Musik oder unveröffentlichte Live-Aufnahmen hörbar gemacht werden.

Zur Nutzung des Patents konnte Dieter Dierks 1999 mit dem weltweit größten CD- und DVD-Maschinenhersteller Singulus einen Vertrag abschließen. Sony USA nutzt die Dierks-Lizenz, um unter dem Namen DualDisc das Patent auswerten zu können. Mittlerweile haben führende nationale und internationale Top-Künstler DVDplus- bzw. Dualdisc-Produkte hergestellt, so z.B. Herbert Grönemeyer, Die Toten Hosen, Michael Jackson (mit einer ganzen Box), Santana, Emerson, Lake & Palmer, Steve Harley, Nightwish, Bruce Springsteen, Destiny’s Child, AC/DC (allein in USA über 500.000 Einheiten von Back in Black), Aerosmith u.v.a.m. Aber auch Fußballvereine wie Bayern München oder die für das »Blairwitch Project 2« zuständige Filmfirma nutzten das neue Format. Die DVDplus von diesem Film verkaufte allein über 600.000 Einheiten. Insgesamt wurden mehrere Millionen Einheiten hergestellt. Siehe dazu auch: http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_DualDisc_releases

Dieter Dierks arbeitet zurzeit an verschiedenen Film- und Videoprojekten, ohne jedoch seine Hauptambition »Musik« aus den Augen zu verlieren.

Bedeutung

Dieter Dierks produzierte im Laufe seiner Karriere mehr als 70 Alben, die Gold- oder Platinstatus erhielten. Über den kommerziellen Erfolg hinaus, wird der »kreative Tüftler«[8] aufgrund seiner experimentierfreudigen Studioarbeit und der technischen Innovationskraft hervorgehoben. Christoph Wagner schrieb 2013: »Sowohl Dieter Dierks als auch Conny Planck trugen maßgeblich zur Entwicklung einer eigenständigen deutschen Rockmusik bei. Durch ihre Fantasie und Kreativität wurden die neuen Sound erst geschaffen, die der deutschen Rockmusik erst ihre eigene Identität haben, wobei sie gleichzeitig das Studio als künstlerische Medium nutzten.«[10] Das US-Musikmagazin Rolling Stone nannte ihn den »besten Heavy Metal-Produzenten der Welt«, für den Spiegel war er bereits 1974 der »führende deutsche Rockproduzent.« Dierks gehören der Musikverlag Breeze Music und das Plattenlabel Venus Records. Die Studios firmieren seit März 2013 als Dierks Studios GmbH (Amtsgericht Köln – HRB-Nr. 78240)

 

Company History Part 1
Company History Part 2